"Es geht einfach darum, über seine Wurzeln nachzudenken", sagt Peter Drescher. "Wenn ich etwa
   an  mich denke: Bin ich ein Vertriebener? Nein. Oder bin ich ein Brandenburger, weil ich da viele
   Jahre gelebt habe? Oder bin ich doch ein Thüringer, weil ich jetzt da wohne?" Seine Mutter, erzählt
   der Autor, hat zeitlebens von der Stadt, die damals Oberleutensdorf hieß und auf deren Ortsschildern
   heute Litvinov
steht, als ihrem "Zuhause" gesprochen. Und das, betont Drescher mehrfach, das ist
   ihm wichtig, obwohl es ihm nicht die Spur um eine Art von Revanchismus oder dergleichen geht.

   Im Buch ist der ein wenig verbitterte Vorruheständler Horst Greinersdorf Ich-Erzähler und
   Hauptfigur.Ihm flattert die Anregung zur Erinnerung als Brief in den Briefkasten. Eine Geburtstags-
   einladung eines gewissen Jossi, Nachbarsjunge des elterlichen Hauses in Oberleutensdorf/Litvinov.
   Greinersdorf kannte diesen Jossi nur von der Erzählung der Mutter und einem einzigen Besuch vor
   mehr als 50 Jahren. Was kann dieser Jossi nur von ihm wollen? Als er versucht, diese Frage für sich
   zu beantworten, kommen in Horst Greinersdorf viele Erinnerungen wieder hoch. Gute und schlechte.

   Frank Hommel in "Freies Wort", Suhl 14.7.2010